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Normal

Gegen die Inflation psychiatrischer Diagnosen

von Allen Frances

 

„Wer gesund ist, wurde nur nicht gründlich untersucht.“ So der Volksmund. –„ Die medizinische Forschung hat so enorme Fortschritte gemacht, dass es überhaupt keine gesunden Menschen mehr gibt.“ So Aldous Huxley, Kopfmotto des dritten und wie ich meine wichtigsten Teils des heute vorzuschlagenden Buches. Dessen Originaltitel – übersetzt – lautet etwa:  „Das Normale retten! – Die Revolte eines Insiders gegen die außer Kontrolle geratene psychiatrische Diagnostik, DSM-5, „Big Pharma“ und die Medikalisierung einfachen Lebens.“

Der Insider ist ein international renommierter US-Psychiater, emeritierter Professor für Psychiatrie und Verhaltensforschung, der mit diesem Buch zum Outsider seiner Zunft wurde oder werden wird. (Was einen Emeritus nicht sorgen sollte, wäre er nicht einem Forschungs- und Klassifikationsvorhaben auf Jahrzehnte verbunden gewesen, dem DSM.
Die im Original angekündigten Schwerpunkte bedürfen keiner Voraberklärung bis auf DSM-5, das amerikanische Handbuch zu Klassifikation psychischer Störungen, das im nächsten Monat als fünfte Folge erscheinen soll. „Das Normale retten!“, eine Warnung, eine eindringliche Bitte, ein Hilferuf wissenschaftlicher Bedenken. Professor Frances hat in all den Jahren erlebt, wie der durchaus ehrenwerte Drang zu immer neuerem, komplizierterem Diagnostizieren und den entsprechenden Diagnosen (!) zu verstiegenen Beurteilungen und bedenklichen Resultaten vermeintlich dringlich zu behandelnder gänzlich normaler psychischer Zustände geführt hat.

Der Inhalt ist vorbildlich gegliedert und macht mit seinem klaren Ausdruck das Ganze –auch- zu einem spannenden Lesebuch. Dank an dieser Stelle der Übersetzerin Barbara Schaden. In den drei Hauptbüchern „Normalität im Belagerungszustand“, „Modediagnosen können gesundheitsschädlich sein“ und „Rückkehr zur Normalität“ findet sich so spannender aber auch erschreckender (wenn Sie so wollen) Lesestoff wie: Kann die Psychologie helfen? Der Schamane und die Geisterwelt. Diagnostische Inflation. Leichtfertig verschriebene Medikamente begünstigen exzessiven Medikamentenkonsum. Wir kämpfen gegen die falschen Drogen. Der kluge Konsument. Erkenne dich selbst- Die Risiken der Selbstdiagnostizierung.

Das zu diesem Buch gehörende Nachwort schrieb Geert Keil, der an der Humboldt-Universität lehrende Philosoph. Er weist ausdrücklich darauf hin (ich gestatte mir diese Zitate): „Dieses Buch ist in weiten Teilen eine Streitschrift. Der Streitgegenstand ist das Ausmaß, in dem Ärzte ihren Patienten psychische Erkrankungen bescheinigen. Allen Frances sieht eine inflationäre Ausweitung am Werk. Seine Streitgegner sind vornehmlich die Pharmazeutische Industrie und die Autoren der aktuellen Auflage der ‘Bibel der Psychiatrie‘ des Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders (DSM-5)“

               
Wolfgang Schneider. 18.April 2013

 

 

 

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